»Du kannst schon sehr viel schaffen.«
Poetry-Artist und Bestseller-Autorin Clara Lösel im Interview über ihren Kindheitstraum, Erfüllung und das Schreiben.
Interview Florian Saeling
Foto Max Saeling
Interview Florian Saeling
Foto Max Saeling
In einem Video auf deinem Instagram-Account sprichst du über begrabene Träume auf dem Friedhof und sagst am Ende „Weil wir einem Kind mit 7 sagen, dass solche Dinge immer nur Kinderträume sind“. Den Gedanken fand ich sehr inspirierend und ich wollte den Text dann nochmal nachlesen, aber habe ihn in deinem Buch nicht gefunden.
Ja, ich weiß, von welchem Text du redest. Der ist so neu, dass er es noch nicht ins Buch geschafft hat, weil ich ihn erst nach der Deadline geschrieben habe. Aber genau, in dem Text geht es darum, dass wir unsere Kindheitsträume manchmal vergessen oder loslassen.
Lebst du gerade deinen Traum?
Ja, in vielerlei Hinsicht würde ich das schon sagen. Aber es ist auch größer als das, was ich mir jemals erträumt hatte. Das lag außerhalb meines Horizonts, dass ich so etwas überhaupt machen könnte, dass ich beruflich schreiben könnte. Als ich die 100-Tage-Challenge angefangen habe und jeden Tag ein Video mit einem Gedicht gepostet habe, hätte ich niemals gedacht, dass sich so viele Leute dafür interessieren und das jetzt im Prinzip meine Berufswelt ist. Ich habe natürlich auch Träume, die über das Berufliche hinausgehen und ich habe auch Träume, die vielleicht noch größer werden. Aber ich würde deine Frage trotzdem mit Ja beantworten.
Hattest du den Traum schon als Kind?
Ja, ein Buch zu schreiben war schon sehr früh ein Traum. Ich habe letztens so eine Erinnerungskiste durchgeguckt und eine Urkunde aus der zweiten Klasse gefunden, die ich bekommen hatte, weil ich in der Grundschule die meisten Bücher aus der Schulbibliothek ausgeliehen hatte. Irgendwie war das Schreiben und Lesen schon immer ein Ding für mich – auch schon in diesem Alter. Ich habe auch letztens auch ein Tagebuch gefunden, in dem ich mit neun Jahren schon geschrieben habe: „Ich arbeite gerade wieder an meinem Buch“. Also das war schon immer mein Traum und jetzt auf Tour zu gehen, erfüllt ihn natürlich noch umso mehr.
Was denkst du, was braucht es, um einen Traum wahr werden zu lassen?
Es braucht auf der einen Seite Arbeit von dir selber und gleichermaßen braucht es auch, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und die richtigen Menschen um sich hat. Also, es gibt schon auch Faktoren außerhalb von einem selbst, die einen Traum mit beeinflussen. Es gibt ja diese Kalendersprüche, wie zum Beispiel „Du kannst alles schaffen, wenn du es nur genug willst“ – ich weiß nicht, ob das stimmt.
Aber ich glaube, du kannst schon sehr viel schaffen, wenn du viel Liebe, viel Zeit und viel Ehrlichkeit in etwas steckst.
Erfüllt dich das Schreiben?
100 Prozent. Das Schreiben ist meine Art und Weise, wie ich mit der Welt umgehe und wie ich alles aufarbeite. Ich habe schon lange geschrieben, bevor irgendjemand wusste, dass ich schreibe. Früher saß ich mit meinem Opa zusammen und habe Gedichte geschrieben und das hat mich immer schon erfüllt, sonst hätte ich es ja nicht weitergemacht.
Erst vor zwei Jahren habe ich angefangen, das der Öffentlichkeit zu zeigen und es ist wunderschön, dass jetzt Leute meine Gedichte hören und mir Feedback geben. Aber ich denke nicht, dass ich irgendeine bestimmte Karrierestufe erreichen musste oder erreichen müsste, um mich erfüllt zu fühlen. Das ist ja sowieso ein Irrglaube, das Glück in die Zukunft zu verlagern und immer zu sagen „Wenn ich das und das erreiche, dann bin ich bestimmt erfüllt“ – wie ein Loch, das gefüllt werden muss. Ich glaube nicht, dass es so funktioniert, zumindest bei mir nicht.
Gespräch anhören:
