»Ich will, dass Menschen mit mehr Zuversicht nach Hause gehen.«
Poetry-Artist und Bestseller-Autorin Clara Lösel im Interview über ihre Tour „Wehe du gibst auf“.
Interview Florian Saeling
Foto Max Saeling
Interview Florian Saeling
Foto Max Saeling
Gibt es neben dem Schreiben noch mehr, was dich erfüllt?
Also, ich mache Social Media, Buch, Tour und andere Sachen. Und ich liebe Social Media dafür, wie es mich verbindet, wie ich Menschen inspirieren kann und manche Menschen mich inspirieren. Aber wenn ich immer „nur“ Social Media machen müsste, wäre ich nicht erfüllt. Weil ich liebe es auch, auf der Bühne zu stehen. Deswegen freue ich mich so auf die Tour. Mir macht es unendlich viel Spaß, mit den Menschen in einem Raum zu sein und deren Gesichter zu sehen.
Das ist deine erste Tour. Was bedeutet dir das, dass du das jetzt machen darfst?
Alles! Ich freue mich einfach unglaublich darauf, die Menschen zu sehen, die mich jeden Tag so unterstützen und mit denen ich über Social Media in Kontakt bin. Die Tour wird auch noch mal ganz anders als meine bisherigen Live-Auftritte, weil ich einen Pianisten dabei habe zur musikalischen Untermalung und Vertonung einiger Gedichte.
Du hast es ja bestimmt gesehen: Ich habe sehr viele persönliche Texte über mentale Gesundheit, über Hasskommentare, über Liebeskummer und den Verlust von Menschen.
Wenn ich auf Tour bin, traue ich mich auch mehr, die Geschichten hinter den Texten zu erzählen – aus welchem Kontext diese Texte entstanden sind, was sie für mich bedeuten und mit welchen Menschen sie verknüpft sind.
Welche Themen liegen dir für die Tour besonders am Herzen?
Ich habe ein großes Spektrum von gesellschaftlichen und politischen Themen. Jeder fühlt in einem bestimmten Moment in seinem Leben einen anderen Text am meisten. Mir ist es vor allem wichtig, ernste und schwere Themen wie Einsamkeit und Verlust anzusprechen, aber das gleichzeitig inspirierend mit Wortwitz und einem Funken Hoffnung zu machen, um das mit einem positiven Twist zu sehen und mit mehr Zuversicht und mehr Mut nach Hause zu gehen. Dafür liebe ich Worte. Aber Worte sind auch sehr hässlich, wenn sie nur Worthülsen sind.
Hinter Worten müssen Taten stehen. Das möchte ich im Kleinen anfangen.
Mir ist aufgefallen, dass du ganz oft auf deinem Instagram-Account schreibst „Das ist alles nur wegen euch“. Warum bist du deiner Community so dankbar?
Weil ich das zu 100 Prozent genauso meine, wie ich das sage. Gehen wir mal von dem Szenario aus: Ich sitze in meinem Berliner Zimmer vor knapp zwei Jahren und lade 100 Tage lang jeden Tag ein Gedicht hoch und niemand schaut sich das an, niemand kommentiert, niemand teilt das und niemand sagt „Das hat mir geholfen“ – ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch machen würde.
Ich würde sicher noch schreiben, aber Gedichte hochladen wahrscheinlich nicht und sehr wahrscheinlich hätte ich nicht die Möglichkeit bekommen, ein Buch zu schreiben. Sehr wahrscheinlich könnte ich jetzt nicht auf Tour gehen, weil niemand kommen würde. Deswegen bin ich meiner Community so dankbar.
Wofür bist du dir dankbar?
Ich bin noch nicht super gut darin, aber ich denke, ich werde besser. Ich bin mir dankbar dafür, dass ich nicht aufgegeben habe, dafür, dass ich so viele Stunden jeden Tag investiere und hart an mir arbeite. Aber vor allem bin ich dankbar, dass ich eine Familie habe, die mich immer stärkt, motiviert und unterstützt in dem, was ich mache. Und ich bin auch dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem wir Meinungsfreiheit haben und in dem ich als Frau sagen darf, was ich sagen möchte. Ich bin dankbar für meinen Opa, der mir das Schreiben in die Wiege gelegt hat. Ich glaube, ich habe generell schon sehr viel Bewusstsein dafür, dass, wenn die Umstände anders gewesen wären, es auch gut hätte sein können, dass ich jetzt nicht hier sitze.
Gespräch anhören:
