© Urban Ruths
»Das ist es mir so unfassbar wert.«
Leonard Conrads über den vierten Film Die Schule der magischen Tiere, die Herausforderungen als junger Schauspieler und wie ein Abschnitt seines Lebens zu Ende geht.
Ein Interview von Lili
Interview Lili
Foto Urban Ruths
Hier ist Platz für ein Intro von Lili.
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Videos aus dem Gespräch
Das Magazin gibt es ja auch wegen deiner Rolle Benni in Die Schule der magischen Tiere und da kommt ja jetzt auch ein neuer Teil raus. Und ich glaube, es interessiert auch sehr viele Leute, was da so passiert. Vielleicht kannst du ja schon ein bisschen erzählen, um was es geht, ohne was zu spoilern. Einfach ein bisschen was so der Vibe vom Film ist oder so.
Also der vierte Teil kommt ja im September raus. Wir sind auch alle total aufgeregt, weil da gibt es ja wieder die großen Premieren überall – und ich war jetzt schon ganz viel Premieren-Outfits shoppen.
Aber der vierte Teil fokussiert sich auf Miri, also Miriam, gespielt von Tomomi Themann, die neu in die Klasse kommt. Und sie ist eine Freundin von Ida. Das heißt, ich als Benni bin da eigentlich glaube ich ganz cool erst mal mit der, weil wenn Ida die mag, dann wird die schon cool sein. Und die kommt neu in die Klasse und der große Konflikt ist, dass wir unsere Schule retten müssen. Denn dieses Mal ist nicht nur der Wald in Gefahr, nein, es ist die ganze Schule. Denn wir haben zu wenig Schüler und deshalb wollen wir bei einem Schulwettbewerb teilnehmen, um da Anmeldungen zu verteilen und dass die ganzen Schüler sagen „Boah, diese Schule ist so cool“, dass sie sich alle anmelden wollen und wir unsere Schule retten.
Also das ist so das Ziel und dabei gibt es natürlich ganz viele spaßige Abenteuer mit den magischen Tieren, ganz viel Quatsch, ganz viele nächtliche Abenteuer und wirklich sehr, sehr viel Action. Weil diese Schul-Challenge ist wirklich total abgefahren.
Das hört sich auf jeden Fall schon mal richtig cool an und das ist vorerst der letzte Teil, oder? Mit euch als Schauspielern.
Joa, also ganz viele von uns haben das auch mit dem Gedanken gedreht, dass das jetzt der letzte Teil sein könnte. Und als ich gesehen habe, wie die anderen ihren letzten Drehtag hatten, so ein paar Tage vor mir, war ich so: Ja, das ist echt total süß. Schon so emotional. Ich glaube, ich werde da meine Blume nehmen und mich freuen und dann vielleicht irgendwann später mal darauf zurückschauen und so ein bisschen traurig sein. Aber nö, ich habe so angefangen zu flennen, als ich meine Blume gekriegt habe. Ich habe echt geheult wie sonstwas. Das war echt wild. Ich weiß auch nicht.
Seit fünf oder sechs Jahren, seit 2019 lebe ich mit diesem Charakter, mit Benni. Das ist wie, wenn ein Freund von dir auf einmal wegzieht, den du seit der Grundschule kennst. Das ist so ein bisschen das Gefühl, glaube ich.
Natürlich wird Benni immer ein Teil von mir sein. Aber dass ich halt wahrscheinlich jetzt im nächsten Zeitraum nicht mehr ihn besuchen darf sozusagen, nicht mehr mit ihm in Kontakt sein darf, nicht mehr über ihn erfahren darf, nicht mehr Zeit mit ihm verbringen darf – das hat mich auf jeden Fall berührt.
Ja, kann ich mir vorstellen. Vor allem, weil du das ja jetzt wirklich machst, seitdem du 12 bist. Und wenn das dann irgendwie weg ist, ist natürlich schon schwierig. Und was hast du denn jetzt für die nächste Zeit geplant? Was stellst du dir dann für die Zeit vor? Wenn diese Ära, sage ich mal, von den Filmen Die Schule der magischen Tiere, jetzt vorbei ist?
Also ich habe mich jetzt erstmal entschieden, nicht direkt zu studieren. Ich würde Schauspiel studieren. Wahrscheinlich. Oder mich zumindest bewerben. Ich überlege allerdings noch, mich mal für ein Literaturstudium zu bewerben und dann später Regie auch zu machen, weil ich auch total gerne schreibe. Deshalb werde ich jetzt erst mal ein bisschen reisen, ein bisschen rumschauen und auf jeden Fall ein bisschen selber Sachen machen und schauen, wo ich mich aufstellen kann.
Ich will auf jeden Fall ein erstes Gedichtsbuch rausbringen. Ich schreibe seit dem zweiten Teil Gedichte und habe da jetzt auch eine erste Version fertig.
Die werde ich mal ein paar Verlage schicken und dann einfach mal schauen, wo es mich hintreibt. Also, wenn ich als Schauspieler arbeiten kann, wäre das natürlich toll. Aber das ist immer unfassbar spontan. Das heißt, da kann ich nichts sagen gerade. Ich denke, ich werde mich frühestens für’s Wintersemester nächsten Jahres dann bewerben.
Also, du erfindest auch gern eigene Geschichten und schlüpfst nicht nur in die Rolle.
Total. Ich meine, das Tolle am Schreiben ist ja, dass man auch ganz viele Charaktere erfinden darf und kennenlernen darf. Und die Abenteuer, die die erleben, erlebt man als Autor ja auch ganz intensiv. Also ich hatte schon mehrfach, dass wenn ich emotionale Szenen geschrieben habe oder manchmal auch nur so emotionale Momentaufnahmen, die ich dann gefunden habe, dass ich da auch wirklich Tränchen verdrückt habe. Einfach, weil man das dann, wenn man es schreibt, so stark fühlt.
Ich finde das einfach eine schöne Sache, weil im Schreiben befasst man sich mit Menschen genauso wie, wenn man sich als Schauspieler mit einer Rolle befasst. Genau das macht mir total Spaß und ein Gedicht ist das gleiche. Also Gedichte sind für mich fast wie ein Tagebuch, aber früher auch noch mehr als heute. Mittlerweile habe ich es ein bisschen geschafft, auch über andere Themen zu schreiben. Aber früher war das wirklich so, wie ich Sachen verarbeitet habe, die ich sonst nicht in Worte fassen konnte. Und dann habe ich halt Gedichte daraus gemacht, weil es mir irgendwie geholfen hat.
Anfangs nur auf Englisch, weil ich liebe Englisch und es hat mir so eine Distanz gegeben, auf Englisch zu schreiben. Das heißt, ich hatte das Gefühl, wenn ich das auf Englisch schreibe, selbst obwohl nur ich die Gedichte gelesen habe, hatte ich so eine emotionale Distanz, dass ich nicht so sehr verletzt bin von dem, was mir durch den Kopf ging. Mittlerweile habe ich eine andere Beziehung zu den Gedichten. Ich schreibe auch seit zwei, drei Jahren auch schon auf Deutsch, fast ausschließlich. Gelegentlich schleicht sich noch ein Englisches rein.
Also, du erfindest auch gern eigene Geschichten und schlüpfst nicht nur in die Rolle.
Total. Ich meine, das Tolle am Schreiben ist ja, dass man auch ganz viele Charaktere erfinden darf und kennenlernen darf. Und die Abenteuer, die die erleben, erlebt man als Autor ja auch ganz intensiv. Also ich hatte schon mehrfach, dass wenn ich emotionale Szenen geschrieben habe oder manchmal auch nur so emotionale Momentaufnahmen, die ich dann gefunden habe, dass ich da auch wirklich Tränchen verdrückt habe. Einfach, weil man das dann, wenn man es schreibt, so stark fühlt.
Ich finde das einfach eine schöne Sache, weil im Schreiben befasst man sich mit Menschen genauso wie, wenn man sich als Schauspieler mit einer Rolle befasst. Genau das macht mir total Spaß und ein Gedicht ist das gleiche. Also Gedichte sind für mich fast wie ein Tagebuch, aber früher auch noch mehr als heute. Mittlerweile habe ich es ein bisschen geschafft, auch über andere Themen zu schreiben. Aber früher war das wirklich so, wie ich Sachen verarbeitet habe, die ich sonst nicht in Worte fassen konnte. Und dann habe ich halt Gedichte daraus gemacht, weil es mir irgendwie geholfen hat.
Anfangs nur auf Englisch, weil ich liebe Englisch und es hat mir so eine Distanz gegeben, auf Englisch zu schreiben. Das heißt, ich hatte das Gefühl, wenn ich das auf Englisch schreibe, selbst obwohl nur ich die Gedichte gelesen habe, hatte ich so eine emotionale Distanz, dass ich nicht so sehr verletzt bin von dem, was mir durch den Kopf ging. Mittlerweile habe ich eine andere Beziehung zu den Gedichten. Ich schreibe auch seit zwei, drei Jahren auch schon auf Deutsch, fast ausschließlich. Gelegentlich schleicht sich noch ein Englisches rein. Schreiben und generell Geschichtenerzählen ist total toll für mich.
Du hast ja eben schon gemeint, dass du auch viel schreibst, um zu verarbeiten, was in dir vorgeht. Und du meinst ja, du versuchst auch andere Themen zu verarbeiten. Über was schreibst du sonst so?
Ich denke, das was ich mit anderen Themen meine, ist meine Beobachtung von Menschen, von Freunden, von Blicken zwischen Leuten, wo ich vielleicht Sachen lese, die gar nicht existieren Aber es macht mir Spaß, dann so ein bisschen Phantasie reinzumixen, so ein bisschen geschriebenes Drama reinzubringen und das dann zum Gedicht zu machen.
Ich denke, es gibt so viel zu entdecken, einfach bei den Menschen um uns herum. Also zum Beispiel hatte ich einen Bekannten, der dann wirklich plötzlich Sachen gesagt hat, die mich total erschrocken haben. Also Sätze, die ich aus Mündern von Leuten gehört habe, die wirklich ein sehr menschenfeindliches Weltbild haben. Und ich weiß, dass er das nicht hat, aber er hat die gleiche Rhetorik verwendet und die gleichen Argumente verwendet. Und sowas zu hören von jemandem, von dem du eigentlich denkst, du kennst ihn gut, ist verstörend irgendwo.
Und um das zu verarbeiten, helfen mir Gedichte und dann aber auch zu reflektieren, um in den Austausch gehen zu können. Dass ich nicht einfach unreflektiert irgendwie in Konflikt gehe, sondern dass ich checke: Okay, was passiert da? Woher kommt er? Und am Ende war auch alles gut. Also er hat halt ein bisschen wilde Sachen gesagt, aber das hat sich dann tatsächlich relativ geklärt.
Aber du machst ja eben auch noch Schauspiel. Da würde ich dich einfach gerne mal fragen, was du denn so am Schauspiel so toll und besonders findest, wieso du das überhaupt machst.
Ich finde, es ist so etwas Besonderes, einen Charakter kennenlernen zu dürfen. Also wirklich, auch für ein Casting kriegt man meistens nur eine oder zwei Szenen und damit dann zu arbeiten und und zu versuchen, irgendwelche Hinweise zu finden, das macht mir einfach Spaß.
Also man geht durch die Szenen und schaut: Okay, was ist denn jetzt wirklich seine Beziehung zu der. Was will er von der anderen Person in der Szene? Wonach sucht er? Was braucht er vielleicht von der Person? Braucht er Sicherheit? Braucht er vielleicht einfach einen Feind, den er anschreien kann? Also, was braucht dieser Charakter? Wo kommt der her? Und was hat ihn zu dem gemacht, der er ist? Das ist auch einfach ein Interesse für Psychologie, wie Menschen funktionieren und ich glaube, dadurch versteht man einiges und das macht mir total Spaß.
Schauspiel ist einfach so eine tolle Sache, die dir eine Linse auf einen anderen Menschen gibt.
Ja, voll cool. Und du hast angefangen, als du wie alt warst?
Also, als ich vier war, habe ich gesagt, ich will Schauspieler werden. Das erste Grundschultheater war in der ersten, zweiten Klasse. Also mit sieben vielleicht. Bei Disney’s Musical Tarzan war ich neun. Und dann, mit zwölf, hatte ich meinen ersten Film und das war ja Die Schule der magischen Tiere.
Was war der Moment, in dem du dann gedacht hast: Okay, krass. Das ist jetzt wirklich so. Ich habe mein Ziel erreicht oder komme meinem Ziel zumindest gerade so viel näher. Also so ein richtig bedeutender Moment, in dem du das alles realisiert hast.
Das war beim allerersten Drehtag von Die Schule der magischen Tiere. Es war ein Nachtdreh, das heißt, es war schon abends. Das Lustige ist, die Szene wurde tatsächlich rausgeschnitten aus dem Film. Aber, es ist trotzdem eine schöne Erinnerung.
Kleine Side Story. Benni sollte eigentlich Hoverboard fahren und nicht Skateboard. Das heißt, ich habe die ganze Zeit mit dem Hoverboard geübt und dann wurde am Drehtag gesagt, wir fahren doch Skateboard. Aber war schön auf jeden Fall.
Das war der Moment, als ich zum ersten Mal mein Kostüm angezogen habe, zum ersten Mal diesen roten Pullunder mit der grünen Jacke. Und dann vom Trailer, wo man sich umzieht, zum Drehort zu laufen – das war so ein ganz abgefahrener Moment.
Ich hatte wirklich das Gefühl, als würde ich auf ein großes Licht zulaufen. Es war genau dieser Moment, in dem ich dachte: So, ich bin jetzt wirklich hier. Das ist, was ich mir schon lange wünsche. Wofür ich wirklich über ein Jahr lang Castings gemacht und Absagen gekriegt habe. Also, das war wirklich dieser Moment, wo ich so dachte: So, ich bin wirklich hier. Das passiert gerade wirklich. Und das war so eine unfassbare Dankbarkeit und so eine Freude, dass ich das jetzt erleben darf.
Du hast auch gerade angesprochen, dass Benni eigentlich nicht Skateboard fahren sollte. Konntest du denn vorher schon Skateboard fahren oder hast du das extra für die Rolle gelernt?
Ich bin mal ein ganz, ganz bisschen Skateboard gefahren, als ich noch kleiner war. Das heißt, ich stand nicht zum ersten Mal auf einem Skateboard, konnte aber nicht so gut fahren. Aber es hat ja auch geholfen. Benni kann ja auch nicht so gut fahren. Auch, wenn er sich wirklich alle Mühe gibt.
Würdest du auch sonst sagen, dass du Benni ähnlich bist? Oder gibt es etwas, das du von ihm gelernt hast?
Ich suche immer, was ich mit der Rolle gemeinsam habe. Also, ob die Rolle mir sympathisch ist oder nicht. Ich schaue immer, was hat die Rolle mit mir gemeinsam? Das heißt natürlich, in gewissen Teilen ähnele ich Benni.
Aber ich glaube, man kann mit mit den verschiedensten Menschen Ähnlichkeiten finden. Und wenn es nur sowas ist wie eine Beziehung zu einem Elternteil oder eine Beziehung zu einem Geschwisterkind. Vielleicht ist es sogar auch einfach nur ein spezifischer Gedanke oder dass man vielleicht auch einfach erfindet: Okay, wir mögen beide Äpfel und und es gibt dir irgendeine Verbindung.
Aber mit Benni hatte ich das Gefühl tatsächlich anfangs, dass ich da die Sachen genommen habe, wo ich mich früher wie ein Außenseiter gefühlt habe. Also ein bisschen wie so ein Alien in meiner eigenen Schule. Ich war immer in verschiedenen Gruppen. Ich habe nie so zu der einen Gruppe gehört. Ich habe mich nie so wirklich zu einer Gruppe zugehörig gefühlt. Besonders in der Unterstufe. In der Oberstufe wurde es besser.
Aber ich glaube, davon habe ich ganz viel genommen und das noch mal auf einhundertachtzig gedreht für Benni. Und ich glaube, das war so die Gemeinsamkeit, die ich gefunden habe. Und von Benni konnte ich ganz viel lernen. Also wie er Freundschaft versteht, wie loyal er ist, wie viel er für seine Freunde gibt. Also dieses unfassbare Vertrauen, was er in Menschen hat, finde ich wirklich bemerkenswert.
Gibt es eine Rolle, die du total gerne mal spielen würdest?
Das finde ich immer super schwierig, weil ich denke immer: Die beste Rolle, die ich kriegen kann, ist die nächste Rolle. Ich habe jetzt für meine Internetseiten, wo ich vertreten bin, unter anderem natürlich für meine Agentur, neue Fotos und neue Videos gemacht und habe da einen Monolog von einem rechtsradikalen Jugendlichen gesprochen. Das ist natürlich unfassbar interessant.
Also ich ich wurde jetzt auch in letzter Zeit mehr für solche Rollen gecastet und das ist so ein Punkt, wo ich wirklich nichts mit der Rolle gemeinsam habe, was die Ideologie angeht. Aber ich verstehe irgendwo die Ängste. Nicht, weil ich sie teile, aber weil ich sie verstehe. Ich glaube, jeder hat irgendwie seine Ecken und Kanten. Jeder hat Geheimnisse, die er verbirgt. Das ist einfach spannend zu spielen.
Ich mache auch Schauspiel und könnte mir auch vorstellen, später was in dem Bereich zu machen. Und Absagen zu bekommen ist ja ganz normal und gehört auch dazu. Aber wie geht man denn damit um? Hast du da irgendwelche Tipps dafür?
Also ich finde es mittlerweile auch schwieriger als früher, weil früher war ich immer so: Ja, es kommt schon was. Mittlerweile, weil ich so denke, ich will das vielleicht als Job machen, ist das natürlich eine ganz andere Beziehung zu Absagen.
Ich sage mir immer, egal ob es klappt oder nicht, mit einem Casting gibst du wie eine Visitenkarte ab und du zeigst den Leuten, den Castern – das sind oft die gleichen Caster, die du hast: Hier bin ich. Ich mache es immer noch gut. Und selbst, wenn du es nicht wirst, die haben dich im Kopf. Und selbst, wenn du es nicht hörst, warst du wieder präsent. Du warst wieder da. Du hast was abgegeben und die behalten dich im Kopf. Mir hilft es immer zu sagen, ich bin trotzdem ja da, ich habe ja was gemacht und die haben mich auch wieder in Betracht gezogen.
Dass du das Casting ja kriegst, heißt, dass sie dich ja eigentlich wollen. Eine große Angst von vielen ist, dass sie da reingehen und dann so angeguckt werden als ob du denen nicht wichtig bist. Jeder, der da sitzt, ob sie nun superfreundlich sind oder nicht, die wollen eigentlich, dass du die Rolle kriegst.
Also sie wollen ja, dass du das bist, dass sie endlich fertig sein können. Und Casting ist wirklich ein langer Prozess. Also jeder, der da sitzt, will eigentlich, dass du es bist und dass du es wirst. Und das heißt, ich glaube, ich gehe da mit einer Ruhe ran, die hilfreich ist für die Castings.
Also einfach eine positive Einstellung, dass man denkt: Auch, wenn das jetzt nichts mit der Rolle wird, hat mir das trotzdem irgendwie auch was gebracht. Also auch die guten Seiten darin sehen.
Ja, total. Und das heißt ja nicht, dass man nicht wütend sein darf oder traurig sein darf. Ich hatte Projekte, wo ich wirklich weit gekommen war und wirklich schon tolle Gespräche hatte, wirklich viel investiert habe, viel Zeit und ist doch nichts geworden ist. Und das ist natürlich super hart. Es macht auch traurig, aber ich denke, da eine gesunde Beziehung zu finden ist unfassbar wichtig, weil es kommt wieder was.
Für mich ist es wichtig, dass ich mich jetzt damit abgefunden habe, dass ich immer wieder Absagen kriege und das auch okay so ist. Ein paar der größten Schauspieler haben immer und immer wieder Absagen gekriegt und ich denke, es ist einfach ein Durchhaltevermögen, das einen auszeichnet.
Ja und wie gesagt, ich stelle mich ja auch anders auf. Das heißt, ich mache mir ein zweites, ein drittes, ein viertes Standbein, mit dem ich dann aber auch arbeiten kann, mit dem ich auch wirklich dann überleben könnte. Und zurzeit ist ja eh noch alles entspannt. Ich meine, ich lebe bei meinen Eltern. Ich habe gerade erst mein Abi gemacht, das ist ja alles entspannt. Also bei mir ist ja jetzt noch gar kein Druck und für junge Schauspieler ja sowieso nicht. Also ich meine, Leute in deinem Alter, ihr habt ja wirklich alle Zeit und da kann ich euch wirklich nur raten:
Investiert wirklich alles, was ihr könnt. Nutzt die Zeit, holt euch schlaue Schauspielbücher, lest viel, schaut, was euch hilft, weil für jeden ist Schauspiel anders. Also manchen hilft es total, die ganzen Szenen zu analysieren und da mit verschiedensten Techniken ranzugehen. Ich weiß nicht, ob du sie kennst? Ivana Chubbuck hat eine sehr verkopfte Technik und mit der habe ich lange Zeit gearbeitet. Also auch zu Schauspielcoachings zu gehen, da lernt man immer wieder neue Perspektiven und kann sich ausprobieren. Ich glaube, es gibt kein richtig oder falsch. Es ist nicht das Method Acting oder es ist nicht das Analysieren von Szenen. Ich glaube wirklich, jeder findet da was anderes.
Also einfach vielleicht ein bisschen ausprobieren, viel Verschiedenes machen, wie du meinst. Auch lesen, sich verschiedene Techniken angucken, Workshops und dann dabei bleiben.
Genau. Einfach machen! Weil ich meine, wenn man schon so jung anfängt wie du, kann man sich so einen Vorsprung erarbeiten vor Leuten, die erst mit neunzehn, zwanzig versuchen da reinzukommen. Und selbst wenn der Vorsprung nicht in Rollen ist, hast du einen Vorsprung in Erfahrung. Das heißt, es ist wirklich eine große Empfehlung von mir: Einfach immer die Pausen, wenn du gerade nichts hast, nicht als Pausen sehen, sondern als Zeit, in der du dich entwickelst.
Ja, voll. Aber wenn man so eine große Rolle hat wie du, gehört ja jetzt nicht nur das Drehen dazu und das Schauspiel als eine Kunst, sondern auch dieses in der Öffentlichkeit stehen. Ich habe jetzt bei dir rausgehört, dass für dich eher wirklich das Schauspiel an sich wichtig ist und dieses in Rollen schlüpfe, aber Premieren, Öffentlichkeit, Fans und sowas gehört ja auch dazu. Wie ist es denn für dich und wie war es besonders auch am Anfang?
Ja, also die Premieren sind immer, also wirklich jedes Mal überwältigend. Also, es ist so unfassbar. Es ist so eine Ehre für mich, diese ganzen Kinder zu sehen, diese ganzen Menschen, die unseren Film sehen wollen und die, denen wir wirklich so eine tolle Geschichte schenken durften.
Das ist so schön für mich, dass ich sehen darf, dass Benni Leuten hilft, dass Benni ein Vorbild ist, dass ich denen etwas geben darf wie Freude, dass ich Lachen höre im Kino. Das ist für mich etwas so Wunderschönes und das macht einfach total viel Spaß!
Und wenn man denkt Boah, irgendwie dauert es beim Set gerade total lange oder ich sitze die ganze Zeit am Warten. Das macht es immer und immer und immer wieder wert, bei den Premieren, das Lächeln zu sehen, die Energie zu sehen.
Letztes Jahr hatten wir zum ersten Mal eine Premiere in Essen – also Heimspiel für mich sozusagen. Und das war wirklich so unfassbar toll. Ich durfte auch einige Freunde einladen und die Energie war so unfassbar. Wir hatten wirklich so unfassbar tolle Fans. Also bei allen Premieren, aber Essen hat mich, glaube ich, wirklich ganz besonders berührt, weil es halt bei mir zu Hause war und weil ich auch sagen muss: Wir hatten da die beste Energie. Also Berlin kam nicht ansatzweise ran. Nichts gegen Berlin, nichts gegen Berlin! Danke an die Fans von Berlin, aber Essen war Hammer, wirklich Hammer! Die standen da alle, die haben so laut gejubelt und es war wirklich unfassbar. Das ist immer wieder überwältigend, absolut überwältigend! Es macht mir total viel Spaß.
Es gibt total viele Fans und es ist ja auch voll schön, dass es bei dem Premieren dann auch wirklich diese gute Energie gibt und dann ist es für euch bestimmt auch noch mal irgendwie was Besonderes, wenn man dann wirklich die Reaktion von den Fans sieht. Das ist bestimmt mega. Es gibt ja bestimmt aber auch Leute, die jetzt nicht alles so super finden. Und Kritik muss ja nichts Schlechtes sein. Das kann ja auch total helfen, wenn es Kritik ist, die auch gut formuliert ist, woraus man was mitnehmen kann. Aber es gibt halt auch Leute, die einfach nur irgendwie haten und sowas bringt einen ja dann auch nicht wirklich weiter. Wie geht man denn damit um?
Hm, tatsächlich habe ich es irgendwie sehr gut geschafft, das zu ignorieren. Ich persönlich habe auch noch keinen Hate abbekommen, also als Person und auch gegen den Film. Also, ich weiß, dass manche Leute halt einfach aus dem Alter raus sind, aber die halten auch meistens nicht.
Ich habe schon gesehen, dass jetzt zum Beispiel in unserem WhatsApp Schulkanal – der ist total toll übrigens, also da haben wir wirklich coole Sachen aufnehmen dürfen, also auch Sprachnachrichten, Videos und so – auf diesem WhatsApp Kanal können ja Leute auch Reaktionen schicken und da gibt es dann auch Kotz-Emojis oder irgendwelche anderen Emojis, die auch einfach manchmal Schwachsinn sind.
Aber dann denke ich mir auch: Die folgen unserem WhatsApp Kanal, die machen Engagement und man muss nur mal die Verteilung sehen. Ich meine, was ist das denn für ein Prozentsatz, der da jetzt meint, da ein Scheiß-Emoji drunter zu schreiben? Und da muss man sich halt entscheiden, wie viele Herzen sind mir wichtiger oder sind genug, damit ich das ignorieren kann? Und für mich reicht ein Herz, um das zu ignorieren, weil ich dann weiß, einem Menschen ist das wichtig. Ein Mensch hat sich entschieden, ein Herz drunter zu schreiben und der balanciert das alleine schon zehnmal aus, dass einer da irgendein Scheiß-Emoji drunter geschrieben hat. Das heißt, da bin ich tatsächlich relativ entspannt zurzeit mit.
Und wir haben auch wirklich, glaube ich, nicht so viel Kritik, um die wir uns Sorgen machen müssen. Ich meine, wir sehen ja auch die Zahlen von den Zuschauern. Wir sehen die Rückmeldung, die wir kriegen und die ist einfach so unglaublich viel positiver, als was irgendeine Kritik uns anhaben könnte. Also deshalb bin ich da ziemlich entspannt.
Okay, also du schaffst es, das zu ignorieren und fokussierst dich dann eher auf die positiven Rückmeldungen. Und als du mit Schauspiel angefangen hast, wie waren da die Reaktionen in deinem privaten Umfeld? Fanden die das alle cool oder fanden das manche vielleicht ein bisschen merkwürdig, Weil ich kenne das jetzt von mir, dass es da auch unterschiedliche Leute gibt. Manche finden es total cool und fragen dann auch immer danach und andere machen sich dann auch so ein bisschen darüber lustig. Wie ist das denn bei dir gewesen?
Ja nicht laut geäußert zumindest. Also bei meinen Freunden hat es eine Weile gedauert, bis sie gecheckt haben, was das überhaupt ist und dass das nichts an unserer Beziehung verändert. Das heißt, da war alles entspannt, in meiner Familie sowieso. Nur dass die Fragen nach „Wie läuft es in der Schule?“ zu „Wie läuft es mit den Filmen?“ ausgetauscht wurden.
In der Schule habe ich schon ein paar seltsame Blicke abgekriegt und habe mehrfach gehört, dass über mich geredet wurde. Aber das sind auch so Sachen, das waren nicht meine Freundesgruppen. Das waren nicht Leute, deren Meinung mich irgendwie interessiert hat. Einmal kam ich nach zwei, drei Monaten zurück vom Dreh, habe mit einem Schulkameraden von mir geredet und war so „Ja, total nett, wieder zurück zu sein“ und er so „Du warst weg?“ und ich „Ja, man. Cool“. Also, wie gesagt, es hatte nicht so einen großen Einfluss auf mein Leben in der Schule.
Okay, das ist ja eigentlich auch gut so.
Ja, total.
Du hast gerade über einen Dreh gesprochen. Kannst du vielleicht mal ein bisschen erzählen, wie das bei so einem Dreh ist? Weil ich glaube, viele wissen gar nicht so richtig, was man sich darunter vorstellen kann. Du meintest ja auch gerade, es geht ja schon ziemlich lang. Wie ist es denn auch mit der Schule?
Also, was mich damals total aus den Socken gehauen hat, war, wie viel Szene man in einem Tag reinkriegt oder eher gesagt: Wie wenig. Bei Schule der magischen Tiere kriegen wir pro Tag ein bis zwei Minuten Film und das ist schon krass. Also, wir sind da ja acht Stunden pro Tag mit über einhundert Leuten.
Aber in einem Film sieht man ja immer verschiedene Blickwinkel. Also, man sieht ja einmal von vorne, dann ein bisschen näher, ein bisschen weiter weg, dann von links. Auch bei Dialogen, wenn zwei Leute reden, die stehen sich gegenüber, muss immer von der einen Seite und von der anderen Seite gefilmt werden. Und da musst du dir vorstellen, für jedes Bild muss alles Licht umgeschoben werden. Das ganze Set muss umgebaut werden.
Und dann dreht man ja jede Einstellung, also jedes Bild locker drei bis fünfzehn Mal. Das heißt, die meiste Zeit verbringt man als Schauspieler am Set mit Warten. Beim ersten Teil war ich um acht Uhr am Set und ich habe, glaube ich, um sechzehn Uhr das erste Mal gedreht.
Es kann echt passieren, dass du endlange wartest, weil es einfach wirklich lange dauert, um alles umzustellen. Beim Fernsehen geht das viel schneller. Ich habe ja einen Rosamunde Pilcher gedreht, da geht das echt total schnell. Also, da dreht man wirklich drei bis fünf Minuten pro Tag. Und bei den ganz großen Hollywood Filmen, drehen sie dreißig Sekunden bis eine Minute pro Tag. Also, das ist schon abgefahren. Dann checkt man, was für eine unfassbare Arbeit das für so viele Menschen ist, um so einen Film rauszubringen. Was für eine Teamleistung das ist über wirklich Monate.
Wenn ihr so viel warten müsst, was macht ihr denn dann die ganze Zeit? Also übt ihr dann noch zusammen oder wie beschäftigt ihr euch dann?
Ich habe schon manchmal ein Buch mitgenommen. Bei den späteren Teilen hatten wir noch immer Autogramme, die wir unterschrieben haben. Teilweise waren Leute da von der Produktion, die wollten einfach ein paar unterschrieben haben, damit wir sie rausgehen können.
Manchmal aber auch einfach mit den Kollegen reden, ein bisschen herumalbern und ganz früher hatten wir ja eine Schauspielcoachin beim ersten Teil, Yvette. Und mit ihr haben wir dann Schauspiel-Spiele gemacht mit der ganzen Klasse sozusagen. Das war schön.
Aber ihr musstet ja bestimmt auch was für die Schule machen. Habt ihr das dann selbstständig gemacht? Gab es da extra irgendwie Lehrer oder wie war das bei euch am Set?
Das ist echt von Zeit zu Zeit unterschiedlich. Das hängt auch immer von der Produktion ab. Im ersten Teil und bei Rosamunde Pilcher – das waren die ersten beiden Projekte, die ich hatte – da hatte ich eine Online Zirkusschule, weil Zirkuskinder sind ja auch nie in der Schule. Das heißt, es gibt Schulen, die funktionieren komplett digital und nur per Videocall. Und das hat auch eine Weile lang gut funktioniert. Allerdings ist es dann so, dass die nicht so ganz genau wissen, wo du stehst, was du brauchst. Das heißt, man muss sich schon viel selber holen.
Also das ist wirklich so: Die Grundvoraussetzung ist, dass du gut in der Schule bist. Sonst sagt die Schule, wir können dich nicht gehen lassen. In meiner Schule war überhaupt Fehlen schon kritisch und dann auch noch nicht Schule machen können oder wenig, ist ganz schwierig.
Das heißt, ich habe mir dann immer so ein, zwei Leute geholt, später dann aus den Kursen immer eine Ansprechpartnerin, bei der ich wusste: Okay, die machen Notizen und die sind gut in dem Kurs. Man muss sich dann auch wirklich jeden Tag der Woche hinsetzen und alle antickern und sagen „Hey, was habt ihr heute gemacht? Was kann ich machen?“ und dann haben wir das erst mit der Zirkusschule nachgearbeitet.
Aber dann haben wir einen Set-Lehrer gekriegt, den Uli – und der war Hammer.
Das heißt, nach dem Dreh sind wir dann ins Hotel, kurz Sachen auspacken und dann runter in den kleinen Konferenzsaal und dann wurde noch mal ein, zwei Stunden Schule gemacht. Also, man muss es wirklich wollen, weil es ist ein extra Aufwand. Und mit Uli ging das, weil er ein toller Lehrer ist und dich wirklich in ein paar Stunden so weit bringt wie andere in einer Woche kommen, die in der Schule sind. Ich meine, die haben ja auch nur ein paar Blöcke maximal. Aber, es ist wirklich ein Extraaufwand.
Als wir den vierten Teil gedreht haben, letztes Jahr, das war in meiner Vor-Abi-Phase. Da war es so intensiv, dass ich tatsächlich auch Englischbücher in meinen Trailer reingenommen habe und dann während der Mittagspause da auch ein, zwei Sachen geschrieben habe und Notizen zusammengestellt habe.
In deinem Alter muss man es nicht am Set machen. Ich würde das auch so weit wie möglich trennen. Weil, beim Dreh solltest du am Set sein, mit den Leuten reden, da sein, in deiner Rolle bleiben, also in dem Gefühl bleiben, dass du da gleich wieder reinhüpfen kannst. Nicht die ganze Zeit deine Rolle sein – das könnte mies nervig werden für alle Beteiligten. Und dann im Hotel ist es aber wirklich so, dass du es dann aber auch machen musst.
Da muss man sich einfach den Kopf machen, ob das was für einen ist. Weil es ist eine Doppelbelastung. Erwachsene Schauspieler haben das nicht. Aber wir als Jugendliche, wir haben da wirklich eine Doppelbelastung, dass wir halt den Schulstoff wirklich nebenbei machen müssen. Für mich war dann meistens die erste Matheklausur nach dem Dreh eine vier, aber die zweite war dann wieder eine zwei und dann ging auch alles wieder. Das heißt, man man hat den Puffer und die meisten Schulen verzeihen das auch. Also, wenn du nicht eine super schwierige Schule hast, ist es okay.
Aber du musst den Aufwand machen und du musst wirklich versuchen, dabei zu bleiben. Du musst wirklich alles geben und die Zeit auch reinstecken und es ist nicht leicht. Besonders bei einem Kinderfilm, besonders wenn du so einen tollen Cast hast wie wir. Dann wirklich zu sagen „Nee, ich kann nicht noch mal mit euch raus. Ich muss mich noch mal hinsetzen. Ich muss jetzt noch ein, zwei Stunden da investieren, um mitzukommen“ , das ist nicht nicht leicht und es ist auch sehr schwierig, wenn man Sachen wie FOMO hat.
Da muss ich wirklich sagen, das ist wirklich der größte Punkt, den ich mir als Kinderdarsteller überlegen würde, weil das Set ist pures Adrenalin, da kommst du eh durch. Aber, ob du diesen Extraaufwand schaffst und ob du die Entschlossenheit hast, das wirklich durchzuziehen.
Und es ist es wert. Also ein hunderttausend Prozent ist es wert. Das ist es mir so unfassbar wert. Ich bin ein sehr großer Prokrastinierer. Ich schiebe gerne Sachen nach hinten. Aber dass ich das gemacht habe, zeigt ja, dass es das wirklich wert ist. Das machen zu dürfen, ist es hunderttausend Mal wert.
Und wenn du es gut machst, wenn es deiner Schule beweist, selbst wenn sie kritisch sind, dann darfst du es auch wieder machen. Das heißt, ich kann wirklich nur sagen, man sollte sich überlegen, aber das ist es auf jeden Fall wert, wenn du es liebst, Schauspieler zu sein.
Ja, aber es gehört auf jeden Fall viel Disziplin dazu. Wenn man schon so einen langen Drehtag hatte und sich dann noch mal extra dafür hinsetzt.
Dass du dir eine Routine schaffst, in dem Ganzen, das ist eine sehr erwachsene Aufgabe. Also man lernt da sehr, sehr viel. Und als ich in deinem Alter war. Das klingt total weird, weil es ist drei Jahre her. Aber auch als ich noch jünger war. Beim ersten Teil waren meine Eltern noch dabei, aber jetzt in den späteren Teilen nicht mehr und das war für mich nicht leicht. Also da auch pünktlich ins Bett zu gehen. Weil das ist eine Professionalität und es ist für einen Jugendlichen wirklich eine große Aufgabe. Und das kann ich auch sagen rückblickend: Es ist eine große Aufgabe zu sagen: Du bist jetzt allein in einem Hotelzimmer und du musst irgendwann schlafen gehen, weil das ist auch dein Job. Also es ist wirklich auch dein Job, dass du da morgens auftauchst und wach bist und da bist und das machst, weil einhundert Leute brauchen dich. Also, es sind wirklich einhundert Leute am Set und alle brauchen das, dass du auch deinen Teil dazu tust. Und da ist es einfach respektlos und auch einfach total schade für alle, wenn du dann total übermüdet zum Set kommst.
Ich sage nicht, dass es leicht ist. Es ist eine Professionalität. Aber wenn man die hat, dann ist das wirklich, wirklich was Besonderes und auch etwas, was einen sehr, sehr wachsen lässt und das einem eine Erfahrung gibt, die viele erst in ihren neunzehn, zwanziger Jahren machen. Und wenn du die Erfahrung jetzt schon machen kannst und gut machst, dann bist du wieder voraus und kannst wieder besser arbeiten, kannst weiter sein. Du bist einfach zwei Schritte voraus, zumindest in dem Abschnitt des Lebens.
Also wie gesagt: Es lohnt sich alles, aber man muss es sich überlegen, ob es einem das wert ist.
Ja, also es ist auf jeden Fall schwierig, aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung. Und wenn ihr dann immer den ganzen Tag zusammen dreht und dann ja auch noch Premieren zusammen habt, dann verbringt ihr ja super viel Zeit zusammen. Bestimmt mehr, als wenn man einen Freund in der Schule hat. Am Set ist man ja wirklich 24/7 zusammen. Wie ist das denn mit Freundschaften? Man wächst da bestimmt total eng zusammen, oder?Total. Es ist wirklich eine abgefahrene Beziehung. Also, Set-Freundschaften dauern oft allerdings auch nur für die Zeit des Drehs, habe ich gehört. Bei uns ist das ja eine Sondersituation. Wir waren ja nicht nur einen Sommer lang die ganze Zeit zusammen, sondern wir haben jetzt unsere ganze Jugend, die wichtigsten Jahre von zwölf bis achtzehn, wo so viel passiert, zusammen verbracht. Aber dann auch nicht die ganze Zeit, sondern immer nur für so super intensive Monate. Und das ist eine besondere Verbindung, weil du weißt: Alle Leute, die du da triffst, lieben das gleiche wie du. Die sind automatisch irgendwo auf deiner Wellenlänge und das ist schon eine ganz besondere Voraussetzung.
Du weißt, wir ziehen alle an dem gleichen Strang. Wir machen alle den gleichen Film und alle wollen auch miteinander klarkommen. Und das ist wirklich total schön gewesen bei Die Schule der magischen Tiere. Ich sage immer meine Kollegen, weil das dann einfacher ist, aber ich würde trotzdem sagen, dass die meisten auch wirklich meine Freunde sind, und nicht Freunde, die man die ganze Zeit sehen muss, sondern Freunde, die man auch jahrelang nicht sehen kann und sich dann wieder trifft und alles ist wie beim Dreh. Weil es einfach wirklich so eine extrem Extremsituation ist, die man da durchmacht – im positiven Fall, weil es wirklich so eine abgefahrene, intensive Zeit ist. Und so eine Extremsituation schweißt einen so unfassbar zusammen. Wir leben ja auch überall in Deutschland. Wir sind so weit entfernt teilweise, aber es ist etwas da, was uns immer verbinden wird.
Man muss sich auch am Set nicht mit jedem sich super verstehen, aber es ist schon so, dass man mit jedem eine gewisse Kumpelschaft irgendwie hat, weil man weiß, wir werden drei Monate aufeinander sitzen und irgendwie ist es schon hilfreich, dann ein bisschen Sozialkenntnisse zu haben und zu verstehen: Okay, wie gehe ich jetzt mit wem um?
Das ist auch immer abgefahren gewesen, wenn neue Leute dazukamen, wie die in die Gruppe aufgenommen wurden, mit wem sie sich enger verbündet haben, mit wem sie sich weniger verbündet haben.
Es gibt Grüppchen wie in jeder normalen Klasse. Trotzdem fühle ich mich mit allen viel enger verbunden, als ich es mit meiner eigenen Klasse war. Also es gibt keine Grenzen. Das ist alles fließend. Alle verstehen sich mit allen. Das ist wirklich etwas Besonderes.
Ja, voll schön. Und hast du irgendwie eine Lieblingserfahrung oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Wir haben so ein Ritual gehabt. Jakob, der den Cookie spielt – der hat immer die Mütze auf – der kann unfassbar gut singen und spielt auch total toll die Gitarre.
Beim zweiten Teil, aber auch beim dritten und vierten Teil haben wir uns dann oft abends einfach zusammengesetzt, irgendwo am See, wo wir gedreht hatten oder wo unser Hotel war, und haben dann einfach alle möglichen Songs gesungen und zusammengesessen, gequatscht, einfach irgendwo. Ob es in Berlin an der Spree war oder in Wernigerode. Also wir haben da einfach immer diese Momente gehabt, die so unfassbar schön waren und die auch wieder so ein Gemeinschaftsgefühl gemacht haben. Daran erinnere ich mich total gerne zurück.
Du hast ja deine erste Rolle bekommen, als du zwölf warst. Wenn du jetzt noch mal mit deinem 12-jährigen Ich reden könntest, was würdest du ihm aus seiner jetzigen Sicht mitgeben?
Oh Gott. Also, ich glaube, das haben viele Zwölfjährige, die fühlen sich so unfassbar reif, so superklug. Deshalb wäre es, glaube ich, teilweise ein „Komm mal runter“ und teilweise die Sicherheit „Es passiert, wie es passiert und es ist gut“.
Ich glaube, ich würde meinen zwölfjährigen Ich sagen, dass er einfach sich entspannen soll, was sein Selbstbild angeht. Ich weiß, dass ich sehr noch damit zu kämpfen hatte, wie andere Leute mich sehen, wie ich drüber nachdenke und vor allen Dingen, wie Leute mich sehen, die mich nicht interessieren, also die eigentlich nichts mit meinem Leben zu tun haben. Mich interessiert natürlich unfassbar, was meine Familie, was meine engen Freunde, was unter anderem auch meine Kollegen, die ja meine Freunde sind, zu mir sagen. Aber ich habe mir so viele Gedanken gemacht über Leute, die ich nie wieder sehen würde. Ich glaube, ich würde ihm sagen, dass ich einfach entspannen soll, was das angeht und dass er einfach okay sein kann. Und es wird schon. Es kommt wie es kommt und er kann nur soviel machen, wie er machen kann.
Nicht Nichtstun und dasitzen und sich vom Flow treiben lassen. Das meine ich damit nicht, sondern einfach sagen: Okay, ich investiere was ich kann an Energie, an Zeit. Und einfach versuchen, bei denen zu sein, die mir wirklich wichtig sind. Ich glaube, das wäre schön, wenn ich das mehr gewusst hätte als Zwölfjähriger, wer und was mir wichtig ist und womit ich meine Zeit verbringen möchte. Ich habe sehr viel Zeit in meinem Kopf verbracht.
Würdest du das Gleiche jetzt auch als generellen Tipp an andere junge Leute geben? Sich nicht so mit den Sachen oder mit den Leuten zu beschäftigen, die einem nicht guttun?
Genau, wahrscheinlich schon. Als Teenager war mir sehr viel peinlich. Nicht, weil es peinlich war, sondern weil ich dachte: Was würden die Menschen jetzt gerade denken, wenn ich das mache? Und mir hat der Gedanke total geholfen: Ich werde diese Menschen in meinem Leben nicht wiedersehen, auch wenn sie aus deiner Stadt sind. Und besonders als Jugendlicher kann es sein, dass du in zwei Wochen schon wieder eine andere Haarfarbe hast, eine andere Frisur hast, andere Klamotten an hast. Die erkennen dich gar nicht wieder.
So wichtig bist du nicht. So sehr achten Leute nicht auf dich. Dass ich das irgendwann für mich rausgekriegt habe, hat mir total geholfen. Es juckt niemanden, was du machst. Es juckt nicht. Und das heißt aber nicht, dass du unwichtig bist, sondern dass du frei bist. Wirklich, tut einfach das, was euch glücklich macht und was euch Spaß macht. Und ich habe so gemerkt, wenn ich mit meinen Jungs Fahrrad fahre und es ist jetzt noch nicht Nachtruhe oder so und wir rumbrüllen und laut lachen, dann ist doch scheißegal, ob irgendwo jemand im Café sitzt. Wir sind doch eh am Vorbeifahren und er hört uns gleich wieder nicht?
Also wirklich: Es ist scheißegal, was man macht und der einzige Parameter, den man dafür anwenden sollte, ist, ob es dich glücklich macht oder nicht, also ob du dich dadurch mehr wie du fühlst.
Ja, voll gut. Dankeschön für deine ganzen Antworten. Das möchte ich mal sagen: Krass, wie du so spontan darauf geantwortet hast. Also wirklich sehr coole Antworten und Dankeschön, dass du dich auch darauf eingelassen hast, das Gespräch mit mir zu machen.
War wirklich eine Riesenfreude!
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