»Wenn du mal irgendwann darüber nachgedacht hast, mach es auf jeden Fall!«
Schauspieler Linus Moog war 2022 im MENTLING-Interview. Jetzt erzählt er, wie er seinen Weg weitergegangen ist.
Interview Liliana Schulz
aufgezeichnet am 18.08.2025
Foto Carsten Moog
Interview Liliana Schulz aufgezeichnet am 18.08.2025
Foto Carsten Moog
Du warst in der ersten Ausgabe von Mentling Magazin und mich würde interessieren, was seit dem Zeitpunkt passiert ist. An welchen Projekten arbeitest du gerade?
Ich habe Abitur gemacht und studiere inzwischen in Köln. Aber nicht Schauspiel, sondern Marketing. Und es hat sich einfach irgendwie alles einen Schritt weiterentwickelt. Also damals hatte ich, glaube ich, meine ersten ersten drei, Projekte in der Pipeline und inzwischen bin ich auf 16 Projekte angewachsen. Ich habe letztes Jahr meinen zweiten Kinofilm gedreht und drehe gerade wieder in Leipzig. Also alles, was ich so angefangen und angestoßen habe, hat sich dann relativ organisch weiterentwickelt. Ja, das ist schon richtig verrückt.
Wie hast du dich weiterentwickelt? Bist du einfach drangeblieben oder gab es einen Punkt, der dich besonders weitergebracht hat?
In erster Linie ist es, dass ich damals drangeblieben bin. Ich habe es damals in der ersten Ausgabe nur angeschnitten, aber ich bin inzwischen viel offener, wie schwer damals der Start für mich war.
Ich habe mich damals mit 13 in meiner Agentur beworben und habe dann knapp drei Jahre gebraucht, bis es geklappt hat – und diese Eigenschaft habe ich mir versucht beizubehalten und bin drangeblieben. Dann gab es das erste Projekt, das für mich der große Startpunkt war: Der Mörder im Tatort Mainz ist natürlich eine spannende Rolle und dadurch hat sich ganz viel entwickelt.
Ich glaube, dass es vielen anderen jungen Nachwuchsschauspielern auch so geht, dass sie das unbedingt wollen, aber es passiert irgendwie noch nichts. Hast du Tipps, wie man damit umgeht?
Erstmal kann ich das wirklich gut verstehen. Und ich weiß noch aus meiner Perspektive, wie schwer es mir damals gefallen ist, stark zu bleiben, weil ich damals ehrlich gesagt gar nicht ganz genau wusste, worauf ich hinarbeite. Das Problem ist: Du bist immer mit vielen Absagen konfrontiert. Aber wenn du ein Casting bekommst, kannst du dir immer sicher sein, irgendwer in der Branche hat dich gerade auf dem Schirm und möchte schauen, ob du für die Rolle passt. Das kann man sich immer schon mal als ersten Schritt mitnehmen. Ich hatte damals zum Glück einige Castings. Trotzdem hat es nicht geklappt. Also, ich hatte ein Jahr lang bestimmt 16 bis 20 Castings und das waren alles nur Absagen.
Ich glaube, was mich immer daran gehalten hat, war dieser große Wunsch, das unbedingt auszuprobieren und auch Vertrauen in mich selber – obwohl das schwer war, weil ich irgendwann auch wirklich kein Vertrauen mehr in mich hatte. Vor meinem Tatort-Casting war ich gerade an dem Punkt, an dem ich gesagt habe: „Vielleicht ist es doch nicht das Richtige, Vielleicht soll es so nicht sein“. Ich hatte das drei Jahre versucht, hatte wirklich ganz viel investiert, Zeit und Arbeit und Mühe und alles gegeben und irgendwie wollte es nicht klappen. Aber am Ende war es wahrscheinlich vielleicht doch meine innere Stimme, die gesagt hat: „Das ist genau das, was du machen möchtest. Das ist dein Traum und das lehrt dich ja auch total viel“.
Also, ich glaube, wenn man etwas hat, was einen total interessiert, wofür man brennt und man Lust hat, das auszuprobieren, dann nimmt man in dieser Zeit total viel für sich mit – auch, wenn es nicht klappt. Bei mir war es, durchzuhalten und stark zu bleiben und an mich zu glauben, auch in schweren Zeiten diesen Glauben niemals zu verlieren und weiter zu kämpfen. Das hat mich die Zeit gelehrt.
Voll schön, dass du drangeblieben bist, weil im Endeffekt hast du ja jetzt schon total viel erreicht. Hattest du einmal eine Rolle, die dir sehr ähnlich war?
Ich habe bis jetzt das Glück, dass ich sehr viele Rollen spielen und erkunden darf, die eher weit weg von mir sind. Das finde ich spannend. Ich wurde am Anfang oft für Mobber-artige Typen gecastet, immer mit einer Bomberjacken angezogen und ich war relativ böse unterwegs, was ja eigentlich gar nicht meinem Naturell entspricht. Ich durfte dann den Querschnittsgelähmten spielen. Ich durfte einen arroganten Fatzke spielen. In meinem letzten Kinofilm durfte ich einen sehr sensiblen Jugendlichen spielen, der ganz in seiner eigenen Welt lebt, mitten auf dem Dorf. Also auch wieder ganz weit weg von mir. Ich spiele ein Mobbingopfer, also eigentlich einen Außenseiter, der eigentlich nur dazugehören möchte und dann aber irgendwann dem Mobbing verfällt und dann zum Ende aber eine Racheaktion plant. Also, ganz viele Facetten und ganz viele spannende Charaktere, Figuren und Umgebungen, in die ich mich sonst nicht bewege. Das ist auch das, wofür ich das Schauspiel mache.
Wenn du so eine Rolle spielst, die viel durchgemacht hat, nimmt dich das selbst dann mit?
Total. Das habe ich auch unterschätzt, weil ich habe das ja nie gelernt. Ich wusste auch nicht, wie man damit umgeht und ich merke es jetzt auch gerade wieder. Ich habe Ende Juli angefangen zu drehen und habe jetzt knapp 26 Drehtage für die Rolle des Außenseiters in der neuen Staffel von Der Lehrer für RTL. Das war und ist für mich immer noch sehr herausfordernd. Ich hatte letztens zum Beispiel eine Szene, in der ich vor der ganzen Klasse ausgelacht werde und ich darf mich nirgendwo hinsetzen und werde bis zum Ende des Raums durchgedrängt, weil mich niemand haben will. Und das Spannende ist, dass ich als Schauspieler diese Gefühle der Rolle selber in dem Moment authentisch und in der vollen Intensität nachfühle. In so einer Situation möchte man wirklich nicht sein. Das ging mir wirklich, wirklich nah – obwohl ich natürlich jetzt nicht als Linus da stehe, sondern in der Figur. Trotzdem spüre ich dieses Gefühl und das war schon echt richtig hart.
Ich habe noch nicht mal einen richtigen Weg gefunden, wie ich das dann abends von mir abstreifen kann. Mir wurden aber schon so ein paar Tipps gegeben: Manche Schauspieler machen zum Beispiel das Fenster auf, damit die Rolle sozusagen rausfliegt. Manche duschen ganz lange oder klopfen sich lange ab nach dem Dreh. Da gibt es ganz viele Wege und da bin ich gerade auf der Suche für mich, wie ich das gut ablegen kann. Aber ich bin super dankbar für so eine Erfahrung. Das ist schon spannend, aber umso mehr merke ich, dass ich allen Menschen wünsche, dass sie sowas niemals erleben müssen.
Ja, das Geschenk am Schauspiel ist, dass man von vielen unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaftsschichten mal einen Einblick bekommt. Dadurch habe ich auf jeden Fall versucht, einen viel offeneren Blick auf Menschen zu haben. Man ist oft in seiner Bubble, in seiner Gedankenwelt oder in seinen Ansichten. Da einmal diese Perspektive zu verlassen und sich wirklich mal ernsthaft in andere Menschen reinzufühlen und deren Gedanken, Emotionen und Motive nachzuvollziehen, das hilft dir einfach, einen ganz offenen Blick auf die Menschen und auf die Gesellschaft zu haben.
Wir haben jetzt viel über die tollen Seiten gesprochen, die bestimmt auch überwiegen. Aber gab es auch mal Momente, in denen du daran gezweifelt hast oder einfach nicht so viel Motivation hattest?
Schöne Frage, weil das ist der Aspekt, der oft ausgelassen wird und der aber doch viel vom Alltag auch bestimmt. Vor allem, wenn man künstlerische und kreative Sachen macht, in denen du dich immer wieder neu präsentierst, neu bewirbst oder neu versuchst, neue Jobs zu kriegen.
Bei mir gab es und gibt es immer wieder solche Momente, in denen ich mich frage: Warum hat’s nicht geklappt? Diese Rolle wollte ich unbedingt machen. Das Casting hat sich super angefühlt und ich habe alles dafür gegeben, habe wochenlang den Text hoch und runter geprobt und mir ganz viele Gedanken gemacht. Und am Ende klappt es dann trotzdem nicht. Das sind schon immer Rückschläge, die dich aber auch immer wieder weiterbringen. Du nimmst immer wieder etwas Neues mit und kannst immer etwas an dir optimieren. Das Feedback, das du bekommst, kannst du auch dankbar annehmen.
Inzwischen sehe ich das auch gar nicht mehr als so großen Rückschlag, sondern als einen weiteren Drück nach vorne, um noch mehr zu geben, noch weiter zu kämpfen, mich immer weiter zu entwickeln, immer mehr an mir zu arbeiten und irgendwann klappt es dann doch. Das hat es ja bei mir auch. „Wenn man dranbleibt und für seine Träume kämpft und niemals aufgibt“, sagt man ja immer so leicht, aber in meinem Fall hat es wirklich gestimmt. Ich war ja damals kurz davor, das Ganze an den Nagel zu hängen, weil mich der Mut irgendwann verlassen hat. Aber ich hatte den 100-prozentigen Glauben im Herzen.
Ich finde es gut, dass wir darüber sprechen, weil in solchen Momenten fühlt man sich vielleicht so, als wäre es nur bei einem selbst so. Aber es passiert ja jedem und keiner kriegt jede Rolle. Es ist ja wirklich etwas ganz Normales.
Definitiv. Auch ich spreche eigentlich viel zu wenig darüber. Man vermarktet sich ja immer so, als würde alles super laufen. Aber ich kann euch versichern, ich habe mit ganz, ganz vielen, auch super erfolgreichen Leuten gesprochen, die von außen so wirken, als würde ihnen alles in die Wiege gelegt und alles zufliegen. Auch die haben zu kämpfen und ganz viele Dinge, die eben nicht klappen, von denen wir aber natürlich alle nie etwas mitbekommen. Man ist überhaupt nicht alleine. Wir alle kennen das und haben damit zu kämpfen. Und allein das zu wissen, tut schon ganz gut.
Hast du Wünsche für Projekte, die du gerne machen würdest beim Schauspielen oder als DJ bzw. Ziele und Träume?
Auf jeden Fall. Aber mehr beim Schauspiel als beim DJing. Da bin ich inzwischen zufrieden, weil das muss gar nicht so wahnsinnig riesig werden. Das ist schön, wenn das jetzt auf diesem Level bleibt und ich mal am Wochenende ein bisschen auflegen kann. Aber wenn ich in mein Herz höre, geht es mir vor allem um’s Schauspiel. Da kommen 2026 drei Projekte gleichzeitig raus. Zum Jahresstart ein Kinofilm, in dem ich den Hauptcharakter in Jung spiele, zum anderen die neue RTL-Serie Der Lehrer – da bin ich im Hauptcast. Und worauf ich ganz gespannt bin, ist der Film Free – meine erste Kinohauptrolle. Der soll im Herbst in die Kinos kommen. Für diesen Film wünsche ich mir ganz viel Erfolg, dass der gesehen und wahrgenommen wird. Vor allem, weil er auch besondere Themen bespricht, die auf jeden Fall eine Debatte anstoßen und die ich so noch nie gesehen habe und spannend finde.
Das Jahr wird also ganz spannend für mich und auch so ein Momentum, um zu gucken, wo es sich hin entwickelt. Ich hoffe, dass das alles so verlaufen wird, wie ich mir das wünsche, dass es schöne Premieren gibt und dass es eine Aufmerksamkeit dafür gibt. Das ist mein kurzfristiges Ziel. Und für die Zukunft bin ich super offen, was die bringt. Ich freue mich auf alles, was kommt und hoffe, dass etwas kommt.
Hast du abschließend noch Tipps für Leute, die auch Schauspiel machen wollen?
Ich habe gerade jemanden am Set kennengelernt, der seine erste Sprechrolle bekommen hat, was für ihn ein großer Moment ist. Und er hat mir ganz überzeugt erzählt, dass er unbedingt einen Oscar gewinnen will und dass das sein großes Ziel ist. Manche am Set haben gesagt: „Das ist völlig überzogen, vergiss es!“ Aber ich fand das eigentlich ganz spannend, dass er das so gesagt hat und auch mit der Überzeugung. Er hat gefühlt schon seine Oscar Rede parat und vielleicht wirkt es im ersten Moment ein bisschen komisch, aber ich glaube, dass ihn das auch zu ganz anderen Leistungen am Ende führen kann. Du gehst dann mit einer ganz anderen Motivation ran, mit einem ganz großen Willen und einem großen Durst nach tollen Projekten und Erfolgen, die dich wahrscheinlich auch vorantreiben werden.
Gespräch anhören:
