»Jeder hat andere Wege, um seinen Raum zu finden.«
Marcus & Martinus im Interview über das Suchen und Finden des eigenen Raumes.
Interview Johanna Winter
Foto Max Saeling
Interview Johanna Winter Foto Max Saeling
Wir haben schon darüber geredet, dass „Räume“ im übertragenden Sinne mehr sein können als örtliche Räume. Hat in der Hinsicht jeder von euch seinen ganz persönlichen Raum, also getrennt voneinander?
MARTINUS: Ja, den haben wir. Jeder von uns braucht schon auch mal Zeit für sich allein.
MARCUS: Wir reisen so viel zusammen, haben jahrelang dieselben Hotelzimmer geteilt. Aber inzwischen tut es mir auch gut, mal ein bisschen Freiraum für mich zu haben und nicht alles zusammen zu machen. Also in meinem persönlichen Raum…
MARTINUS: …bin ich nicht.
MARCUS: Richtig!
Spannend! Gibt’s dann aber noch einen dritten Raum?
MARTINUS: Einen, in dem wir zusammen sind? Ja klar, den gibt’s! Dort mischen sich unsere Räume dann.
Und wer gehört dann im nächst größeren Raum dazu?
MARTINUS: Familie, Freunde..
MARCUS: Familie, Freunde und die Fans.
Die Fans auch schon?
MARCUS: Ja, natürlich! Sie sind für uns wie Familie.
Was denkt ihr, wie kann man seinen eigenen Raum in dieser Welt finden, wenn man ihn noch nicht gefunden hat?
MARCUS: Gute Frage! Ja, jeder hat seinen eigenen Raum, seine eigene Komfortzone oder wie auch immer man das nennen will. Bei uns heißt es The Room, weil wir den Song dazu haben.
MARTINUS: Ich denke, jeder hat andere Wege, um seinen Raum zu finden beziehungsweise den Ort, wo man sich gut und sicher fühlt.
MARCUS: Für mich geht es auch darum, Leute um mich zu haben, die mich so mögen, wie ich bin und mir nicht sagen, wie ich sein sollte. Dann entsteht das Gefühl, seinen Raum gefunden zu haben. Unsere Freunde, unsere Familie und unsere Fans geben uns alle irgendwie verschiedene Arten von Räumen und Komfortzonen. Das ist bei jedem anders, aber man findet es irgendwann heraus, auch wenn das nicht leicht ist – gerade in dem Alter, in dem viele unserer Fans sind. Man verändert sich ständig und weiß oft nicht vollständig, wer man eigentlich ist. Da ist es schon schwierig herauszufinden, was einem diese Sicherheit gibt.
Gab es eine bestimmte Zeit, in der ihr wusstet: „Jetzt habe ich meinen Platz gefunden“?
MARCUS: Für uns gibt es zum Beispiel einen Ort, an dem wir uns beide immer total sicher fühlen: In Trofors, wo wir aufgewachsen sind. Dort kann ich anziehen, was ich will und mit jedem reden, weil ich alle Leute dort kenne. Man darf da also ein bisschen kreativ sein. So ein sicherer Raum muss nicht immer eine Freundin, ein Freund, der Vater oder die Mutter sein. Es kann so viel mehr sein, was dir ein gutes Gefühl gibt.
Interessant. Ich dachte eher an eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Alter, in dem ihr wusstet, dass ihr euch sicher und frei fühlt.
MARCUS: Nein, das Gefühl kommt und geht immer mal. Gerade mit diesem Job werden wir ständig bewertet – zum Beispiel auch in den sozialen Medien. Für uns war das am Anfang richtig schwer, weil man nicht sofort lernt, wie man am besten damit umgeht und dann fängt man an zu zweifeln, wenn Leute was Negatives schreiben: Vielleicht ist der Song schlecht. Vielleicht sehen meine Haare hässlich aus oder meine Zähne oder meine Beine – was auch immer. Man muss irgendwann lernen, so etwas auszublenden. Aber das ist nicht leicht und braucht manchmal Zeit.
Gehst du zum Friseur, wenn Leute dir schreiben, dass sie deine Frisur nicht mögen?
MARCUS: Sofort! Nein, Spaß. Ich gehe zum Friseur, wenn ich es will.
Würdet ihr euren 13-jährigen Ichs gerne etwas sagen?
MARTINUS: 100%. Ich würde sagen: „Du musst wirklich genießen, was du machst, denn die Zeit vergeht so schnell“. Wir waren 16 oder 17, als wir auf unserer großen Arena-Tour waren. Ich habe damals gar nicht richtig verstanden, was wir da eigentlich gemacht haben. Ich hatte einfach Spaß – aber ich habe es nicht wirklich genossen. Pötzlich war es dann vorbei und beim nächsten Mal war es wieder so.
Wie meinst du das – es hat dir Spaß gemacht, aber du hast es nicht genossen?
MARTINUS: Man muss manchmal einfach entspannen, sich umschauen und bewusst machen: „Niemand in meinem Alter macht gerade das, was ich mache.“ Manchmal muss man entschleunigen und sich sagen: „Wow, das mache ich gerade wirklich“ Seit Corona bin ich darin viel besser geworden. Wenn wir jetzt ein Konzert spielen, genieße ich das viel bewusster. Das ist mir extrem wichtig geworden.
Covid scheint, als hätte es einen größeren Einfluss auf euch gehabt.
MARCUS: Covid hat alles total verändert. Es war das erste Mal, dass wir dachten, unsere Karriere geht den Bach runter. Wenn du deine ganze Kindheit, deine Mutter, deine kleine Schwester und alles vernachlässigst, um Künstler zu sein und dann plötzlich Corona kommt und alles stoppt, dann denkst du: „Habe ich das jetzt alles umsonst gemacht?“ Das war schon hart und mit viel Angst verbunden, aber wir haben es überstanden. Und ja, wie Martinus gesagt hat – genau dadurch habe ich auch realisiert, wie dankbar ich für all das bin, was wir machen dürfen. Wenn wir wieder auf Tour sind, genießen wir das jetzt viel mehr.
MARTINUS: Alles passiert aus einem Grund.
Das ist ein guter Schlusssatz. Danke Marcus und Martinus!
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