»The Room ist ein Ort, an dem unsere Fans sie selbst sein können.«

Marcus & Martinus im Interview über ihr neues Album The Room und was es für sie bedeutet.

Interview Johanna Winter 
Fotos Max Saeling 

Interview Johanna Winter Fotos Max Saeling 

Ihr hattet schon einen langen Tag, oder?
MARTINUS: Nein, es war ein ruhiger Tag. Wir haben ein paar Dinge erledigt und Interviews gegeben. Es ist schon eine Weile her, seit wir das letzte Mal in Deutschland waren. Wir freuen uns, wieder hier zu sein und ein bisschen zu arbeiten.

Interviews sind offensichtlich Teil eurer Arbeit. Wie ist das für euch? Macht euch das besonders viel Spaß oder ist es einfach nur ein Teil eurer Arbeit?
MARCUS: Ich glaube, wir haben uns sehr an Interviews gewöhnt. Ich erinnere mich noch an unser Medientraining am Anfang, bei dem uns Fragen gestellt wurden und wir versucht haben, sie zu beantworten. Dabei wurde uns gesagt: „Ah, das solltet ihr wahrscheinlich nicht sagen. Sagt es lieber so“. Aber jetzt gehört es einfach zum Business dazu.

MARTINUS: Es ist ganz normal.

MARCUS: Naja, es ist nicht wirklich normal, aber es fühlt sich jetzt einfacher an, in Interviews zu reden. Ich rede aber immer noch, bevor ich nachdenke und sage dann vielleicht etwas Dummes. Aber bisher läuft es ganz gut, denke ich.

Du machst das gut! Lasst uns über das Album sprechen. Was bedeutet The Room für euch?
MARTINUS: Zunächst einmal ist es ein Album, das wir vor Kurzem veröffentlicht haben und das uns viel bedeutet. The Room ist aber auch ein Ort, an dem unsere Fans sie selbst sein können. Sie sollen sich bei unseren Konzerten sicher fühlen und Spaß haben.

MARCUS: Es soll sie ermutigen so zu sein, wie sie sein möchten. Ich finde, heutzutage wird man schnell verurteilt für alles, was man tut. Deshalb heißt unsere Tour auch The Room, weil jede Konzertlocation ein Ort sein soll, an dem du so sein kannst, wie du bist. Es geht durch die sozialen Medien einfach schnell, dass man jemanden sieht und dann auch so sein möchte wie diese Person, aber es ist so wichtig, man selbst zu sein. Das wollen wir auch mit diesem Album zeigen. Das ist die Musik, an der wir gearbeitet haben und wir entwickeln uns auch weiter. Wir probieren ein paar neue Stile aus und zeigen, wer wir sein können.

Super interessant! Wenn ihr sagt, dass ihr einen sicheren Ort bieten wollt, an dem sich jeder wohlfühlen kann, was ist ein Raum oder ein Ort, an dem ihr euch vollkommen wie ihr selbst fühlt?
MARCUS: Ich habe das Gefühl immer, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die mich lieben. Das ist auch bei Konzerten der Fall, wenn wir auf der Bühne stehen und mit der Band zusammen sind. Sie unterstützt uns und wir unterstützen sie. Das Gleiche gilt für die Fans: Sie lieben, was wir tun und wir lieben sie so sehr. Für mich sind es also Orte, an denen wir uns gegenseitig unsere Liebe zeigen.

MARTINUS: Für mich könnte es auch einfach ein Fußballplatz sein, der mich sehr an zu Hause erinnert.

Wenn ihr über den kreativen Prozess nachdenkt, wann wusstet ihr, dass das Album fertig war?
MARTINUS: Ich hatte das Gefühl, dass es fertig war, bevor es wirklich vollendet war, weil ich es einfach veröffentlichen wollte. Manche Songs haben wir schon während der Corona-Zeit geschrieben. Den letzten Song haben wir zwei Monate vor der Veröffentlichung des Albums geschrieben. Ich weiß nie so genau, wann es vollendet ist. Ich habe dann einfach irgendwann das Gefühl: Jetzt ist es bereit zum Release. Und man muss mit dem Label sprechen, damit sie auch damit einverstanden sind. Das ist ein Teil des Prozesses.

MARCUS: Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich habe nie das Gefühl, dass es fertig ist. Irgendwann wird es dann aber einfach Zeit, es loszulassen. Das ist wie bei einer Prüfung in der Schule: Du siehst alles noch einmal durch und hast das Gefühl, dass noch irgendetwas fehlt. Aber am Ende musst du es dann trotzdem abgeben. Mit dem Album ist es genauso und das finde ich auch gut so, denn wenn wir nie das Gefühl haben, dass es vollendet ist, veröffentlichen wir immer mehr Musik.

Bist du ein Perfektionist?
MARCUS: Ja, sehr sogar.

Du auch? (zu Martinus)
MARTINUS: Ich denke, ja. Aber Marcus ist noch perfektionistischer.

Oh, interessant.
MARCUS: Für mich fühlt es sich so an, als wärst du überhaupt nicht perfektionistisch.

MARTINUS: Okay. Danke, Bruder!

MARCUS: Das ist nicht negativ gemeint. Wenn wir etwas machen, sagt Martinus eher „Das wird schon gut gehen. Mach dir keine Sorgen.“ Er ist etwas entspannter, würde ich sagen.

MARTINUS: Ja, aber wenn ich solche Dinge wie ein Album mache, muss ich das Gefühl haben, dass es gut genug ist und dass auch die kleinen Details gut genug sind.

Wie würdet ihr sagen, beeinflusst eure Beziehung als Kollegen eure Beziehung als Zwillinge und umgekehrt?
MARTINUS: Ich denke, dass wir hier unterschiedliche Antworten haben. Für mich fühlt es sich nicht so an, als wären wir Kollegen. Wir sind einfach wie zwei Brüder, die das tun, was sie lieben und Spaß daran haben, zusammenzuarbeiten. Die Arbeit beeinflusst uns nicht, aber weil wir Brüder sind, können wir super ehrlich zueinander sein, um so gut wie möglich sein zu können.

MARCUS: Da stimme ich zu. Ich sehe das auch nicht so, dass Martinus mein Kollege ist. Wir machen schon zusammen Musik, seit wir zehn waren. Für mich ist das etwas ganz Normales. Wir haben sehr früh in Norwegen angefangen, dann in Schweden und Skandinavien und dann sind wir nach Deutschland gekommen. Für mich fühlt es sich einfach so an, als würden wir als Brüder etwas zusammen unternehmen.

Hat jeder von euch eine bestimmte Rolle, die er beim Musikmachen einnimmt?
MARCUS: Ich denke, da wechseln wir uns immer mal ab, wenn wir im Studio sind.

MARTINUS: Ja, das kommt auf die Situation an. Wenn ich plötzlich eine Idee habe, dann nehme ich die Dinge in die Hand.

MARCUS: Und dann lösche ich es hinterher wieder.

MARTINUS: Manchmal kennt sich Marcus einfach besser aus, wenn es um einen Song geht. Das ist schon so. Also ja, das wechselt immer mal.

Gibt es Leute, denen ihr einen neuen Song zuerst zeigt?
MARCUS: Unserem Vater zeigen wir ihn zuerst, weil er uns am nächsten steht, wenn es darum geht.

MARTINUS: Manchmal zeige ich es zuerst meinem besten Freund Edwin, aber er mag unsere Songs nicht wirklich. Ich möchte aber hören, was er dazu sagt, weil er manchmal etwas äußert, woran ich noch gar nicht gedacht habe.

MARCUS: Normalerweise sagt er nichts, wenn ich ihm unsere Musik zeige.

Gibt es etwas, das euch dazu inspiriert, einen neuen Song zu schreiben? 
MARTINUS: Manchmal gehen wir in eine Studiosession und der Produzent sagt: „Ich habe eine Idee“ oder „Ich habe einen Track, der euch vielleicht gefallen könnte“, oder wir lieben einen Song und wollen davon inspiriert etwas Ähnliches ausprobieren. Es gibt so viele verschiedene Arten von Studiosessions. Es kommt immer darauf an, wie wir anfangen möchten.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, etwas anzufangen.
MARCUS: Das ist ganz normal.

Habt ihr das auch beim Musikmachen oder könnt ihr jederzeit mit einem neuen Song beginnen?
MARCUS: Es gibt Tage im Studio, an denen wir kaum etwas schaffen und dann gibt es Tage, an denen wir einen Song in anderthalb Stunden fertig haben. Das ändert sich ständig. Ich habe fast jeden Tag Lust, Musik zu machen und möchte so viel Musik machen, wie ich kann, aber wir haben natürlich auch Auftritte und alles Mögliche. Bei der Musik hängt meiner Meinung nach manchmal auch vieles davon ab, dass es sehr schnell geht. Aber manchmal braucht es einfach Zeit.

Denkt ihr darüber nach, was nach einer Veröffentlichung passieren könnte?
MARTINUS: Ja, wir haben immer viele Ideen und manchmal auch einen Plan, was wir nach einem Song veröffentlichen wollen. Im Moment haben wir schon etwa die Hälfte des Jahres 2026 geplant, sodass wir wissen, was zu tun ist. Aber wir haben noch nicht alle Songs fertig. Es kommt also darauf an, wie man mit dem Prozess umgeht.

Und wie geht ihr damit um?
MARCUS: Wir lieben es, auf der Bühne zu stehen. Also denken wir im Studio oft darüber nach, wie es wäre, wenn wir den Song live auf der Bühne performen. Und im Moment ist TikTok die mächtigste App aller Zeiten. Deshalb denken wir auch oft darüber nach, was dort gut funktionieren würde. Ich habe letztens eine Statistik gesehen, wonach 77% aller Songs in den globalen Top50 zuerst auf TikTok viral gegangen sind – was verrückt ist. Aber wir wollen es so organisch wie möglich gestalten, so viel unserer Persönlichkeiten einfließen lassen wie es geht und dann schauen, was dabei herauskommt. Für mich ist es im Studio so, dass ich nicht allzu viel darüber nachdenke, was danach passieren wird. Ich will erstmal den Song fertig machen und dann alles mitnehmen, was danach kommt.

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Das Interview mit Marcus & Martinus ist Teil der Epaper Ausgabe #7.

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